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Stiftung für Nutztiere
Hauptseestrasse 115
6315 Morgarten / ZG
IBAN CH34 0839 0035 6594 1010 9
unsere Philosophie
Unsere Philosophie: Keine
Ausnahmen für das Mitgefühl
Tierschutz und Tierrechte beginnen in
dem Moment, in dem wir die
systemische Ungerechtigkeit gegenüber
fühlenden Individuen erkennen – und
sie fordern uns zu aktivem Handeln auf,
um den Schwachen und Wehrlosen eine
Stimme zu geben.
Jedes Tier, das den Weg aus dem
gnadenlosen Kreislauf der
Nutztierhaltung auf einen Lebens- oder
Pensionshof findet, ist weit mehr als ein
gerettetes Lebewesen: Es ist ein
Botschafter seiner Art. Diese Tiere
stehen stellvertretend für Milliarden
unschuldiger Geschöpfe, die einer
weitgehend entfremdeten Gesellschaft
ausgeliefert sind und für unseren
Massenkonsum einen qualvollen,
blutigen Weg gehen müssen.
Die Anonymität der Masse
Weltweit werden jedes Jahr weit über 150
Milliarden Lebewesen – Land- und
Wassertiere – für den menschlichen
Konsum geschlachtet. In den
Industrieländern hat das Töten längst
schwindelerregende Dimensionen
angenommen. Doch die moderne
Gesellschaft nimmt diese Realität kaum
mehr bewusst wahr. Die Grausamkeit
wird mit kollektiver Gleichgültigkeit
hingenommen, weil das Massentöten
gesetzlich legitimiert und zum globalen
Standard erhoben wurde. Die Mehrheit
der Menschen macht sich nicht mehr die
Mühe, das einzelne Individuum hinter
der anonymen Ware zu sehen.
In Anbetracht dieser exorbitant hohen
Zahlen erscheinen die Bemühungen
unserer Stiftung, einzelne Leben nach
ihrer Nutzung zu bewahren, für viele
Menschen als Tropfen auf den heissen
Stein – vielleicht sogar als aussichtslos
oder unverhältnismässig.
Doch hinter der glänzenden Fassade der
Konsumgüter steht die nackte Realität
der Schlachthöfe. Das Sterben in der
Fleischindustrie ist ausnahmslos mit
unsäglichen Qualen verbunden. Die Tiere
sind einer unvorstellbaren Todesangst
ausgesetzt; sie müssen oft mitansehen,
wie ihre Artgenossen vor ihren Augen
brutal getötet werden. Die Panik und die
Todesschreie in den blutverschmierten
Hallen dringen durch Mark und Bein –
nicht selten versagt das Herz eines
Tieres vor Angst noch vor dem
eigentlichen Bolzenschuss.
Das bewusste Wegschauen
Es verhält sich hier wie mit allen
unangenehmen Wahrheiten: Wenn der
Mensch sich weigert, hinzusehen, kann
er die blutigen Konsequenzen seines
Handelns nicht verstehen.
Würden wir uns die Zeit nehmen, uns
mit dem Schicksal dieser sogenannten
Nutztiere auseinanderzusetzen, würden
wir unweigerlich erkennen, dass jedes
von ihnen einen eigenen Charakter,
soziale Empfindungen und eine
Persönlichkeit besitzt. Zuneigung,
Freude, aber auch tiefer Schmerz und
existenzielle Angst prägen ihr Leben
genau wie das unsere. Sie sind Teil
unseres gemeinsamen Daseins auf dieser
Erde und haben dasselbe Recht auf ein
unversehrtes Leben in Würde.
Sobald sich diese Erkenntnis offenbart,
bricht das System der Verdrängung
zusammen. Wer einmal die
Persönlichkeit eines Tieres begriffen hat,
sieht in den Statistiken keine abstrakten
Zahlen mehr, sondern die Summe
unzähliger Einzelschicksale.
Eine Frage der eigenen Moral
Empathie wird uns nicht in die Wiege
gelegt. Sie ist das Resultat unserer
sozialen, geistigen und emotionalen
Entwicklung – eine bewusste
Entscheidung.
„Wir brauchen für den Umgang mit Tieren
keine neue Moral. Wir müssen lediglich
aufhören, Tiere willkürlich aus der
vorhandenen Moral auszuschliessen.“
—
Helmut F. Kaplan
Ethik und Moral werden in unserer
Gesellschaft oft so hingebogen, dass sie
den eigenen Lebensstil rechtfertigen und
das eigene Gewissen schützen. Wenn wir
jedoch fähig sind, Mitgefühl gegenüber
unseren Mitmenschen zu empfinden,
gibt es keinen logischen oder
moralischen Grund, andere fühlende
Lebewesen davon auszuschliessen.
Das Seestern-Prinzip
Unsere Arbeit orientiert sich an der
bekannten Geschichte des Jungen und
der Seesterne: Ein Mann sieht einen
Jungen, der am Strand unzählige vom
Meer angespülte Seesterne zurück ins
Wasser wirft. Der Mann sagt, das sei
angesichts des kilometerlangen Strandes
doch völlig bedeutungslos. Der Junge
hebt den nächsten Seestern auf, wirft ihn
ins schützende Meer und antwortet: „Für
diesen hier macht es einen Unterschied.“
Genau das treibt uns an. Für jedes
einzelne Tier, das wir retten, bedeutet
unsere Arbeit den Unterschied zwischen
einem qualvollen Tod und einem
würdevollen Leben. Sie soll uns alle dazu
inspirieren, uns von echtem Mitgefühl
leiten zu lassen – und das wegschauende
Kollektiv durch individuelles Handeln zu
durchbrechen.